Dieser Eberhard & Co. Pre Extra Fort aus der Zeit um 1940 gehört zu jener kleinen Gruppe früher Armbandchronographen, bei denen außergewöhnliche Dimensionen auf eine der aufwendigsten klassischen Chronographen-Komplikationen treffen. Mit seinem 40 mm großen Edelstahlgehäuse war die Uhr für ihre Zeit geradezu monumental. Noch bedeutender ist jedoch, was sich hinter dem weißen Zifferblatt verbirgt: ein Split-Seconds- beziehungsweise Rattrapante-Chronograph, dessen zusätzlicher Schleppzeiger die Messung von Zwischenzeiten ermöglicht. Eine Komplikation, die bereits damals nur wenigen hochklassigen Chronographen vorbehalten war und bei Vintage-Armbanduhren dieser Epoche heute entsprechend selten anzutreffen ist.
Der Schleppzeiger-Chronograph zählt zu den faszinierendsten mechanischen Weiterentwicklungen des klassischen Chronographen. Beim Start bewegen sich zwei übereinanderliegende zentrale Chronographenzeiger zunächst gemeinsam und erscheinen optisch nahezu wie ein einzelner Zeiger. Durch Betätigung der Rattrapante-Funktion kann einer der beiden Zeiger angehalten werden, während der andere seine Messung fortsetzt. Auf diese Weise lassen sich beispielsweise Zwischenzeiten oder zwei kurz aufeinanderfolgende Ereignisse erfassen. Nach dem Ablesen holt der angehaltene Schleppzeiger den weiterlaufenden Chronographenzeiger wieder ein – daher auch die französische Bezeichnung „Rattrapante“, abgeleitet von „rattraper“, also „einholen“. Eine weitere Besonderheit dieser frühen Eberhard-Konstruktion ist der charakteristische Slider bei 4 Uhr: Wird dieser nach oben geschoben, stoppt der laufende Chronograph. Gleichzeitig dient der Slider als Sicherheitsfunktion, da in dieser Position auch die Chronographendrücker blockiert sind und somit ein unbeabsichtigtes Betätigen oder Verstellen des Chronographen verhindert wird.
Gerade um 1940 war eine solche Konstruktion technisch außerordentlich anspruchsvoll. Während ein gewöhnlicher Chronograph bereits ein komplexes Zusammenspiel zahlreicher Hebel, Räder und Federn erfordert, erweitert die Schleppzeiger-Mechanik dieses System um eine zusätzliche Ebene. Eberhard gehörte zu den Herstellern, die diese anspruchsvolle Technik bereits früh in Armbanduhren einsetzten. Angetrieben wird dieses Exemplar vom großen Handaufzugskaliber 1600, das in verschiedenen Ausführungen in den frühen Eberhard-Chronographen dieser Generation zum Einsatz kam.
Mit 40 mm Durchmesser war das Edelstahlgehäuse für die damalige Zeit außergewöhnlich groß. Herrenuhren der späten 1930er- und frühen 1940er-Jahre waren üblicherweise erheblich kleiner, sodass dieser Eberhard bereits bei seiner Entstehung eine ungewöhnliche Präsenz besessen haben muss. Heute ist gerade diese Größe ein besonderer Reiz: Trotz seines Alters von mehr als acht Jahrzehnten wirkt der Chronograph am Handgelenk keineswegs klein oder antiquiert, sondern besitzt Proportionen, die erstaunlich modern erscheinen. Die langen Bandanstöße, die schmale Lünette und das großflächige Zifferblatt verstärken diesen Eindruck zusätzlich.
Das originale weiße Zifferblatt hat über mehr als 80 Jahre eine gleichmäßige und vollkommen authentische Alterung entwickelt. Kleine Spuren und die sanft gealterte Oberfläche erzählen von seinem Alter, ohne die klare Gestaltung zu überlagern. Drei Hilfszifferblätter strukturieren das Blatt, während die feine äußere Tachymeterskala mit der Bezeichnung „BASE 1000 M.“ bis an den Rand reicht. Die historische Eberhard-&-Co.-Signatur mit „LA CHAUX-DE-FONDS“ und die gebläuten Zeiger vervollständigen das für diese Epoche charakteristische Erscheinungsbild. Besonders reizvoll sind natürlich die beiden zentralen Chronographenzeiger: Übereinanderliegend lassen sie auf den ersten Blick kaum erahnen, welche mechanische Komplexität sich darunter verbirgt.
Die Bezeichnung „Pre Extra Fort“ wird heute unter Sammlern für diese frühen großformatigen Eberhard-Chronographen verwendet, die der später berühmt gewordenen Extra-Fort-Linie vorausgingen. Dieses Exemplar stammt aus einer besonders frühen Serie: Die Gehäusenummer liegt im Bereich 1.000.xxx, während das Kaliber 1600 die Werknummer 17.xxx trägt. Damit lässt sich die Uhr sehr gut in die frühe Phase dieser außergewöhnlichen Chronographen um 1940 einordnen.
Es ist letztlich die Kombination zweier Eigenschaften, die diesen Eberhard so besonders macht: 40 mm in einer Zeit, in der eine solche Gehäusegröße eine absolute Ausnahme darstellte, und eine Rattrapante-Komplikation, die selbst unter hochwertigen Chronographen äußerst selten war. Zusammen mit dem authentisch gealterten weißen Zifferblatt und dem großen historischen Handaufzugswerk entsteht ein Chronograph, der die technische Ambition und den Mut zu außergewöhnlichen Dimensionen jener Zeit eindrucksvoll verkörpert – und der mehr als 80 Jahre später noch immer eine bemerkenswerte Präsenz besitzt.
Zustandsbeschreibung
Zifferblatt: originales weißes Zifferblatt mit gleichmäßiger, authentischer Alterung - sehr harmonische, über mehr als 80 Jahre entstandene Patina - originale gebläute Zeiger - signiert mit: "EBERHARD & CO. – LA CHAUX-DE-FONDS SWISS MADE".
Gehäuse: originales 40 mm Edelstahlgehäuse - leichte, altersentsprechende Trage- und Gebrauchsspuren - Gehäusenummer im Bereich 1.000.xxx auf der Innenseite des Gehäusebodens - die drei eingeschlagenen Ziffern auf der Rückseite eines Bandanstoßes entsprechen exakt den letzten drei Ziffern der Gehäusenummer im Boden und bestätigen die Zusammengehörigkeit der Gehäuseteile - Innenseite des Gehäusebodens signiert mit "EBERHARD & CO", "STAYBRITE" und "ACIER INOXYDABLE" . Breite zwischen den Bandanstößen: 20 mm.
Uhrwerk: originales Eberhard Handaufzugswerk Kaliber 1600 mit Split-Seconds-/Rattrapante-Komplikation - Werknummer 17.xxx - Chronograph und Schleppzeiger-Funktion voll funktionsfähig - Gangwerte auf der Zeitwaage: −22 Sekunden/Tag, Amplitude: 269°, beat error: 0,1 ms.
Seriennummer: 1000xxx
Int.Exe.: 5963146